Um was es in diesem Blog gehen wird

Es wurde mir, bereits mehr als einmal gesagt, dass ich das Offensichtliche anspreche. Die Erinnerung trübt vieles und ich bin mir nicht ganz sicher ob nicht einmal dabei das Wort Talent gefallen ist, also dass ich ein Talent dafür habe, das Offensichtliche zu sagen.

Auch wenn ich nicht vorhabe, in diesem Blog nur das Offensichtliche wieder zu geben, wird es doch immer wieder vorkommen. Zum Teil, weil ich mir nicht immer dessen bewusst bin, dass das, was ich gerade sagen will, für andere offensichtlich ist (wir starten alle von wo anders) und zum anderen, weil das, was allzu sichtbar ist, oft nicht mehr wahrgenommen wird. Es besteht ein Unterschied zwischen ge-wusst und be-wusst.

Geben Sie mir bitte ein bis zwei Seiten, um mein Anliegen darzustellen. Wenn es Ihnen dann nicht gefällt, danke ich Ihnen für den Versuch. Wenn es Ihnen gefällt, haben wir beide gewonnen.

Ich will mich in diesem Blog mit Magie befassen. Nicht mit Magie im Sinne von Feuerbällen und Telekinese, sondern im Sinne von Besonderem und Heiligem, das sich in unserer normalen Sprache so schwer fassen lässt. Ich möchte mich mit Dingen und Praxen befassen, die vielleicht objektiv unwichtig, aber für den einzelnen subjektiv von großer Bedeutung sein können.

Ich bin Atheist und gehe im Großen und Ganzen nicht davon aus, dass es körperlose Geister gibt, die in der physischen Welt herumspuken. Ich glaube aber, dass es Geister gibt, die in unseren Köpfen herumspuken. In jedem einzelnen individuell und in unserer Kultur als Kollektiv. Ich möchte mich mit der Frage befassen, was solche Geister sind, wie man sie rufen oder bannen kann, wie sie wachsen, wie sie sich verändern. Ich möchte in die Unsichtbarkeit schauen, und erzählen, was ich sehe. Ich möchte dies in einer fantastischen Sprache tun, nicht in einer nüchtern wissenschaftlichen, denn nüchtern sind wir schon oft genug. Das hier soll auch keine wissenschaftliche Abhandlung sein. Immer wieder lasse ich mich natürlich von anderen inspirieren (im wahrsten Sinne des Wortes: begeistern) und ich möchte mir die Gedanken derjenigen auch nicht anmaßen. Wo es passt will ich verweisen, Zitate werden wohl vorkommen, aber ich stelle nicht den Anspruch wie an eine wissenschaftliche Arbeit.

Ich interessiere mich für ein Projekt, das in Österreich gerade läuft, den Versuch, eine atheistische Religionsgesellschaft zu gründen und anerkennen zu lassen.

Atheistisch und Religionsgesellschaft?

Richtig gehört. Es ist eine falsche Koppelung von Theos und Religion, die sich des breiten Bewusstseins bemächtigt hat. Das Gegenstück zu Theismus ist Atheismus. Das Gegenstück zu Religiosität wäre wohl Areligiosität. Ich würde auch den Nihilismus als Gegenstück zur Religion begreifen. Aber nur weil ich nicht glaube, dass wir von einem Theos, einem personalen Gott erschaffen wurden, heißt das nicht, dass ich mich nicht mit den Mysterien des Seins befassen will und kann. Und letzlich handelt es sich bei Religion doch um die Herstellung einer Verbindung zwischen dem religiösen Menschen und dem Mysterium des Seins. Und wer sich mit Philosophie oder Wissenschaft ernsthaft befasst, weiß was ich meine, ohne dass wir den alten Herrn mit seinem weißen Bart wecken müssen.

Eine atheistische religiöse Perspektive steht meines Erachtens nicht im Widerspruch zu einer wissenschaftlichen Weltanschauung, auch wenn der Vergleich hinkt, aber Fotographie steht auch nicht im Widerspruch zu einer verbalen Beschreibung. Es sind unterschiedliche Wege die Welt zu betrachten. Und unterschiedliche Objekte der Anschauung.

Wissenschaft möchte erklären, was die Welt ist, und wie sie funktioniert. Religion sollte (!) sich darauf beschränken die Position des Menschen in der Welt zu behandeln. Ich sage Religion und meine Philosophie. Die Wissenschaft sagt was möglich ist, die Philosophie fragt, was wünschenswert ist. Die Religion, so wie ich sie verstehe ist eine Praxis der Philosophie. Die Philosophie, mit dem Kopf in den Wolken betrachtet die Welt, oft aus großer Distanz (Elfenbeinturm). Ihre Begriffe zu lernen und zu verstehen ist eine lohnende Aufgabe, braucht aber Zeit, die manche nicht haben, oder nicht haben wollen. Die Ergebnisse der Philosophie sind oft Erkenntnisse. Nicht mehr, und nicht weniger. Erkenntnisse sind immer noch im Kopf zuhause. Religion kann diese Erkenntnisse in den Körper bringen, ihnen eine Praxis zuordnen. Die Erkenntnis „Wir sollten mehr Zeit haben, um die Schönheit der Natur zu genießen“ kann zu einer Praxis: Mindestens einmal in der Woche gehen wir spazieren, oder setzen uns unter einen Baum oder pflücken einen Blumenstrauß. Natürlich brauche ich keine Bibel um das zu tun. Aber ohne (religiösen) Kalender, ohne eine Gesinnungsgemeinschaft, die mich daran erinnert, ist die Gefahr doch recht groß, dass gerade diese kleinen Momente von der Dringlichkeit des Alltags verdrängt werden.

Das was ich Magie nenne, verstehe ich als eine Betrachtung, die den Menschen als Schöpfer seiner Bedeutung betrachtet. Nicht weil wir von Gott geschaffen sind, sind wir besonders. Wir sind nicht die Krone der Schöpfung. Aber wir schaffen Bedeutung. Bedeutung ist der Welt nicht eigen, sie bekommt sie von den Menschen verliehen und hat auch nur für Menschen Gültigkeit. Bedeutung und Sinn sind keine Kategorien der physikalischen Welt, deswegen aber alles andere als unwichtig. Das bedeutet es, eine magische Weltanschauung zu vertreten. Mein Verständnis von Magie ist die Praxis, die ein nebeneinander von Wissenschaft und Religion ermöglicht. Vielleicht wäre auch der Begriff einer wahrhaft „aufgeklärten Religion“ passend. Worum es jedenfalls geht:

Niemand darf sich in seinem Handeln auf Gott berufen, denn Gott ist ein Ergebnis menschlicher Phantasie. Phantasie, indem sie Götter erschaffen kann, ist nicht als „Hirngespinst“ abzutun, sondern als Produktionsmittel, als schöpferische Kraft zu feiern.

Wer mir wissenschaftlich erklären kann, was es heißt, gut zu leben, bitte her damit. Ich für meinen Teil habe den Eindruck, dass das eine Frage ist, die sich nicht im engeren Sinn wissenschaftlich stellen und beantworten lässt. Und solange die Wissenschaft sich nicht mit einem so wichtigen Bereich der Welt auseinandersetzt, kann sie nicht berechtigt den Allein-Vertretungsanspruch menschlicher Erkenntnis stellen. Es muss eine Form der Erkenntnis außerhalb geben. Alles was der Liebe zur Erkenntnis entspricht fällt unter das Dach der Philosophie. Diese Fragen des Lebens, der Einbindung in das größere Gesamte, in eine Welt, die vor unserer Geburt bestand, und die unseren Tod überdauern wird, ist eine religiöse Frage. Eine religiöse Frage, die philosophisch behandelt werden kann.

Niemand darf sich auf Gott berufen, denn Gott ist ein Ergebnis menschlicher Phantasie. Und wenn wir Menschen schon Gott geschaffen haben, dann sind natürlich auch seine Gebote von uns gemacht. Und wenn seine Gebote von uns gemacht sind, dann besteht kein Anlass sie höher zu achten als die Gesetze, die wir gemacht haben.

Auf dieser Basis ab ins Abenteuer.

Ein Gedanke zu „Um was es in diesem Blog gehen wird“

  1. Nur ganz kurz dazu:
    Diese Phantasie ist zu feiern, wenn sie konstruktiv und produktiv wirkt, ist aber zu kritisieren, wenn sie destruktiv und kontraproduktiv mißbraucht wird.

    Dass das nicht immer leicht auseinanderzuhalten ist mir klar. Aber übersehen sollten wir es nicht.

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